Erfolg ist planbar

Aufstieg der Siegerländer Kunstturnvereinigung in die 1. Bundesliga

Am letzten Sonntag im November 2015 schaffte die Siegerländer Kunstturnvereinigung durch einen souveränen Sieg im Aufstiegsfinale in Bühl/Schwarzwald gegen Exquisa Oberbayern den sofortigen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga als der Beletage des Vereinsturnens in Deutschland.

Die SKV wieder erstklassig – ein toller Erfolg für die Turner, den Vorstand, ja den ganzen Verein – war man doch dazu angetreten, der Siegerländer Kunstturnvereinigung und damit dem Kunstturnen im Siegerland wieder den Stellenwert zu verschaffen, den es Ende der 70er-Jahre schon einmal hatte. Damals wurde die SKV zweimal in Folge Deutscher Mannschaftsmeister, gehörte danach dann zwar noch für einige Jahre der 1. Bundesliga an, spielte dann aber für mehr als zwei Jahrzehnte eine mal größere, mal weniger große Rolle in der 2. Bundesliga.
Erst in 2005 qualifizierte man sich wieder für ein Aufstiegsfinale, was man jedoch ebenso verlor wie das in 2013, als man sehr knapp am Turnteam von Bayern München scheiterte. Als dieses jedoch kurz vor Beginn der Saison 2014 seine Lizenz zurück gab, rückte die Siegerländer Kunstturnvereinigung kurzfristig nach. Es konnten aber keine dem Ligamaßstab entsprechenden Vorbereitungen mehr getroffen werden, insbesondere konnte die Mannschaft nicht mehr verstärkt werden, was dann zu dem sofortigen Wiederabstieg führte, auch wenn dieser am Ende unglücklich zustande kam und bei größerem Planungsvorlauf durchaus hätte vermieden werden können.Die Erfahrungen aus dem Bundesligajahr – insbesondere die überaus große Resonanz in der Öffentlichkeit – ermutigten jedoch Reimund Spies und den gesamten Vorstand der SKV den Verein in Richtung sofortigen Wiederaufstieg und längerfristigen Verbleib in der ersten Liga neu auszurichten, und zwar sportlich, wirtschaftlich und auch in der Außendarstellung und Verankerung in der Region.

Die sportliche Ausrichtung – also die Mannschaftsplanung – wird bei einem Verein der 2. Bundesliga im Kunstturnen im Gegensatz zu den Teams aus dem Oberhaus dadurch erschwert, dass die Terminpläne der unteren Ligen nicht mit den internationalen Rahmenplänen koordiniert sind. Zu der Mannschaft, die für 2015 gemeldet werden sollte, gehörten aber schon seit mehreren Jahren mit Philipp Herder und dem Belgier Bram Louwije zwei Turner, bei schon sehr frühzeitig damit gerechnet werden musste, dass sie für ihre jeweiligen Nationalmannschaften für die Weltmeisterschaften in Glasgow nominiert werden und damit zumindest für die erste Hälfte der Saison ausfallen würden. Ein adäquater Einsatz wurde nach langem Suchen schließlich in den beiden Collegeturnern aus den USA, Alex Bubnov und Matt Felleman gefunden.

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Empfang der US-Boys im Zentrum: von links Andreas Jurzo, Daniel Uhlig, Nico Ermert, Alex Bubnov, Präsident Reimund Spies und Matt Fellemann


Eine weitere Erfahrung der unglücklich verlaufenen Erstligasaison war auch, dass man gegen Ausfälle durch Verletzungen gewappnet sein muss, vor allem, weil sieben reguläre Wettkampftermine in zehn Wochen praktisch keine Regenerationsphasen erlauben und hierdurch die Verletzungsgefahr in der kraftraubenden Sportart Kunstturnen ansteigt. Deshalb wurde die Mannschaft auch im Bereich der deutschen Turner leistungs- und zahlenmäßig aufgestockt, beispielsweise durch die beiden Chemnitzer Sebastian Bock und Tim Leibiger, und in einem zweiten Schritt durch den Berliner Jugendnationalturner Erik Wiesner.

Den Kern der Mannschaft bildeten aber nach wie vor Siegerländer Eigengewächse aus dem Kunstturnzentrum Dreis-Tiefenbach: Jonas Rohleder, Sebastian Spies, Nico Ermert, Daniel Uhlig und dem Rückkehrer Andreas Jurzo, der erfolgreich in die Ligamannschaft integriert werden konnte. Ein weiterer Aktivposten war erneut Eric Lloyd Hinrichs, ebenfalls Jugendnationalturner und in Bochum beheimatet, aber schon in der Vorsaison als Verstärkung für die Zukunft zur SKV gestoßen.

Zum sportlichen Umfeld gehört auch eine ständige medizinische Betreuung der Turner während des Trainings und der Wettkämpfe, die bei der Siegerländer Kunstturnvereinigung durch den Mannschaftsarzt Falk Uhlig und die Kooperation mit dem ehemaligen Bundesligaturner Gerold Fick und physiotherapeutischen Team von OPT/Siegen bestens gewährleistet wird, was man auch in der abgelaufenen Saison wieder sehen konnte.

Es war schon im Planungsstadium der Saison 2015 klar, dass ein Erstliga-Ansprüchen gerecht werdender Sportbetrieb auch einen entsprechenden finanziellen Aufwand auslösen würde, der ohne die wohlwollende Unterstützung durch Sponsoren von einem kleinen Verein wie der Siegerländer Kunstturnvereinigung nicht aufgebracht werden kann. Klare Zielsetzung im Marketing der SKV war und ist es, die Mannschaft als Botschafter der Region im Bewusstsein der Öffentlichkeit und damit auch der Entscheidungsträger bei den potentiellen Sponsoren zu verankern. Das ist auch deshalb gelungen, weil es möglich war, die positiven Eigenschaften der Sportart Kunstturnen mit den prägenden Merkmalen der Menschen der Region zu identifizieren: Fleiß, Bescheidenheit, Freude an strukturierter Arbeitsweise, aber auch die Förderung vielfältiger Begabungen, Interesse an neuen Erfahrungen und – nicht zuletzt gezeigt durch die Integration der amerikanischen Turner – Weltoffenheit. Nicht ohne Grund wird die Wirtschaft dieser Region entscheidend geprägt durch Unternehmen von internationaler Klasse und weltweiter Bedeutung, oder der Universität Siegen mit ihren mittlerweile fast 20.000 Studenten, mit einem steigenden Anteil an ausländischen Studierenden. Gute Kontakte zur heimischen Wirtschaft und zur Universität sind auch zwei Säulen, die zukünftig verstärkt genutzt werden sollen, die Turner auch langfristig und wenn möglich sogar über ihr Karriereende hinaus, an die Siegerländer Kunstturnvereinigung zu binden, um so auch Nachhaltigkeitseffekte erzielen zu können, die für die Weiterentwicklung dieser Sportart sehr wichtig sind.

Das alles wurde in ein schlüssiges Konzept der Außendarstellung des Vereins eingebunden, die angefangen bei dem Vereinslogo und dem, was man neudeutsch „Corporate Identity“ nennt, bis hin zu dem anerkannt besten Internetauftritt in der deutschen Kunstturnszene eine komplette Runderneuerung erhielt.

Die eigentliche Geschichte der Saison 2015 ist schnell erzählt. Sowohl das sportliche Konzept, als auch die Planung der wirtschaftliche Seite und des Marketings gingen voll auf. In den einschließlich des Aufstiegsfinales acht Wettkämpfen wurden von insgesamt 48 Gerätewertungen nur 3 verloren. Es stellte sich schon sehr bald ein Klassenunterschied zu den übrigen Mannschaften heraus, was auch darauf zurück zu führen war, dass die SKV eben schon für die 1. Liga geplant hatte, und nicht wie die anderen Mannschaften, nur für die 2. Liga. Trotz der großen Überlegenheit blieb die Mannschaft in allen Wettkämpfen so fokussiert auf den Erfolg, als ob jeder Wettkampf auf des Messers Schneide stehen würde. Diese Einstellung und die gezeigten Leistungen an den Geräten haben die im Siegerland gewohnt fachkundigen Zuschauer fasziniert, aber auch bei den Auswärtswettkämpfen erkennbaren Eindruck und Anerkennung hinterlassen.

Natürlich wurde der große Erfolg der Saison 2015 erst einmal richtig gefeiert und auch in der Öffentlichkeit durch zahlreiche Ehrungen gebührend gewürdigt Doch getreu dem Motto: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, gilt es nun, die Weichen zu stellen für die Saison 2016 in der 1. Bundesliga. Hier ist die naheliegende Intention, sich in dem erlauchten Kreis der teilweise schon seit vielen Jahren erstklassigen Konkurrenten zu etablieren, als nächste Etappe eines langfristigen Masterplanes.


SKV - TSG Grünstadt 48:18

SKV - TSG Grünstadt 48:18

  • 26.09.2015

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