Das Ligafinale in Ludwigsburg

Im Ligafinale sollte man wiederum auf die Mannschaft des MTV Stuttgart treffen, der man in der regulären Saison im Heimwettkampf in Kreuztal denkbar knapp mit 26:28 Punkten unterlegen war. Die heimischen Kunstturner hatten also vor großer Kulisse in der nicht ganz ausverkauften MHP Arena in Ludwigsburg die Gelegenheit, Revanche an den auch diesmal favorisierten Schwaben zu nehmen.

Zusätzlicher Ansporn war die für fast alle Mannschaftsmitglieder erstmalige Gelegenheit, sich in einem mit keinem anderen Turnereignis in Deutschland vergleichbaren Rahmen zusammen mit den besten Mannschaften und Turnern der Republik zu messen – einschließlich einer professionell ausgestatteten Halle und dem emotionalen Höhepunkt der Nationalhymne vor Wettkampfbeginn. Zu den Besonderheiten des Finales zählt auch, dass die Turner ihre Übungen jeweils einzeln vorführen, so dass ihnen die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Publikums gewiss ist, was vor allem für die Neulinge an den Finalwettkämpfen eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Da die beiden Finalwettbewerbe der Männer zeitgleich ausgetragen wurden (im Meisterduell standen sich die KTV Straubenhardt und die TG Saar gegenüber), begannen die beiden Bewerber um den 3. Platz anders als bei den regulären Ligawettkämpfen am Sprung. Hier setzten die SKV-Turner gleich einmal ein echtes Ausrufezeichen: Kanji Oyama (14,80 Punkte), der wieder einsatzfähige  (14,40) und der Ex-Europameister an diesem Gerät, Matthias Fahrig (15,00) gewannen ihre Duelle deutlich, so dass vor dem vierten Vergleich die SKV bereits mit 10:0 Scorepunkten vorne lag.

ligfinaleMatthias Fahrig 

Der einen gleichmäßig starken Wettkampf turnende Philipp Herder (14,20) verlor zwar sein Duell gegen den Russischen Nationalturner Alexander Rostov mit 3 Punkten, die Führung mit 10:3 Punkten nach diesem Gerät war aber dennoch recht komfortabel. Die 58,40 Gesamtpunkte an diesem Gerät waren zugleich Saisonbestleistung der SKV und wurden von keiner anderen Mannschaft in den Finalwettbewerben in Ludwigsburg mehr übertroffen, auch nicht an anderen Geräten.

sebastianSebastian Bock 

Bei den nachfolgenden Geräten Barren und Reck bekamen dann die rund 50 mitgereisten Siegerländer Fans dann das zweite Gesicht der SKV zu sehen. Der an den starken Geräten gewonnene Vorsprung wird durch vermeidbare Fehler zu schnell wieder abgegeben, so dass sich nicht die Dominanz im Wettkampfverlauf ergibt, die für die das eigene Nervenkostüm stärkende Sicherheit an den nominell schwächeren Geräten sorgen könnte. Sebastian Bock und Kanji Oyama stürzten am Barren nach gut ausgeführten Übungen beim Abgang, und auch Tim Leibiger konnte am Reck sein Flugteil nicht fangen, so dass die Siegerländer nach dem dritten Durchgang mit einem beinahe schon aussichtslosen Rückstand von 13 Punkten (10 : 23) in die Halbzeitpause gehen musste. Lichtblicke aus SKV Sicht an diesen Geräten waren lediglich Daniel Uhlig mit einer guten Barrenübung (13,45 Punkte) sowie Sebastian Bock (14,00) und Jonas Rohleder (13,70) am Reck, der seinem langjährigen Trainingspartner aus Berliner Zeiten, dem ehemaligen Nationalturner Philipp Sorrer immerhin ein Unentschieden abringen könnte. Daan Kenis erzielte bei seiner ersten Wettkampfübung nach einem Trainingsunfall an diesem Gerät noch 13,90 Punkte, musste sich aber ebenfalls dem Stuttgarter Nationalturner Sebastian Krimmer geschlagen geben.

jonasJonas Rohleder

daanDaan Kenis

Bei diesem Rückstand war die Marschrichtung der SKV für die zweite Wettkampfhälfte vorgegeben: am Boden so viel wie möglich aufzuholen, am Seitpferd größeren Rückstand zuzulassen um dann beim abschließenden Ringeturnen voll auf Angriff zu gehen und den Wettkampf doch noch drehen zu können, und beinahe wäre dieser Matchplan auch aufgegangen.

Ebenso furios wie beim Sprung begannen die SKV-Mannen am Boden: Kanji Oyama (14,20 Punkte) erkämpfte trotz kleiner Unsicherheiten 2 Scorepunkte und eine sauber vorgetragene Bodenübung von Philipp Herder (13,90) brachten weitere 4 Punkte auf das Siegerländer Konto. Matthias Fahrig (14,70) und der Russe Rostov zeigten gleichwertig gute Übungen, die ein Unentschieden ergaben. Als dann Mannschaftskapitän Jonas Rohleder mit 14,0 Punkten gegen seinen Stuttgarter Kontrahenten weitere 4 Punkte errang, wurde dieses Gerät mit glatten 10:0 Punkten gewonnen und vom Halbzeitrückstand von 13 Punkten waren die meisten bereits aufgeholt.

kanjiKanji Oyama 

PhilippPhilipp Herder

jonasJonas Rohleder

Noch besser schien es dann am „Zittergerät“ Seitpferd für die SKV zu laufen. Philipp Herder – 2 Scorepunkte nach einem Absteiger des Stuttgarters Krimmer – und vor allem Kanji Oyama, dessen 14,2 Punkte 3 Scorepunkte gegen den Russen Rostov ergaben, machten aus dem Rückstand von 3 Punkten einen Vorsprung von deren zwei und brachten die Stuttgarter, die sich schon zur Halbzeit als sichere Medaillengewinner wähnten, an den Rand einer Niederlage. Noch wogte aber das Wettkampfgeschehen hin und her: prompt stellten die Stuttgarter durch zwei saubere Übungen der Routiniers Daniel Weinert und Philipp Sorrer, beide bereits Deutsche Meister an diesem Gerät und mit jeweils 4 Scorepunkten gegen Sebastian Bock und Daniel Uhlig belohnt, den Zwischenstand wieder auf eine 31:26 Führung für die Schwaben vor dem abschließenden Ringeturnen.

PhilippPhilipp Herder

kanjiKanji Oyama

Die Entscheidung über Sieg und Niederlage brachten dann die ersten beiden Duelle an den Ringen. Sebastian Bock patzte beim Abgang und musste 4 Scorepunkte abgeben und auch Philipp Herder zog trotz einer besseren Übungsausführung gegen den schwieriger turnenden Alexej Rostov mit 2 Scorepunkten den Kürzeren. Ein Rückstand von 12 Punkten lässt sich bei normalem Übungsverlauf in zwei Duellen nicht mehr aufholen, so dass die von Tim Leibiger und Dennis Goossens gewonnenen jeweils 4 Punkte das Ergebnis nur noch verbessern, aber nicht mehr drehen konnten. 

timTim Leibiger

DennisDennis Goosens

Immerhin gewann die SKV auch dieses Gerät und erzielte ein Unentschieden von 6:6 in der Gerätewertung, der Gesamtsieg mit 37:33 Punkten ging jedoch an die Schwaben, die den Gewinn der Bronzemedaille wie eine Deutsche Meisterschaft feierten, während die Enttäuschung in den ersten Minuten nach der Entscheidung den Siegerländer Turnern deutlich anzumerken war.

Im Kampf um den Meistertitel konnte sich erwartungsgemäß die KTV Straubenhardt gegen die mit Olympiasieger Oleg Verniaiev angetretene TG Saar durchsetzen und ihren Erfolg von 2015 wiederholen. Allerdings war der Ausgang dieses Wettkampf wesentlich offener als im Vorjahr, erst mit den beiden letzten Übungen am Reck konnten die Schwarzwälder das Gesamtergebnis auf 40:33 stellen und ihren insgesamt nun 5. Meistertitel sichern.

SiegerehrungDie Siegerehrung

siegerehrungDas SKV-Team

teamfoto

team LudwigsburgDanke und Glückwunsch an dieses starke Team, das eine hervorragende Saisonleistung mit dem Ligafinale gekrönt hat.


Philipp

sebastian