Unvergessene Eindrücke

Gerne werden sich die Siegerländer Kunstturnfreunde noch an die Auftritte des kubanischen Weltklasseturners Manrique Larduet Bicet erinnern, der im Frühjahr und im Herbst 2018 zusammen mit seinem damaligen Trainer Carlos Gil Hernandez Gast der Siegerländer Kunstturnvereinigung war und unvergessene Eindrücke hinterließ.

Herausragend war vor allem seine Leistung im Heimwettkampf gegen den damaligen Meisterschaftsfavoriten TG Saar in der Siegener Giersberghalle. Die Saarländer mit dem russischen Weltmeister Nikita Nagornyy und einem Übertragungsteam des Saarländischen Rundfunk angereist, lagen zur Halbzeit schon scheinbar uneinholbar in Führung. Angeführt von Manrique Larduet Bicet ging ab dem vierten Gerät, welches deutlich an die SKV ging, ein Ruck durch die gesamte Mannschaft, die plötzlich die Chance witterte, dass auch ein Sieg gegen einen der Großen möglich war.
Mit einer großartigen Reckübung des Kubaners glichen die Siegerländer am letzten Gerät aus, den Sieg ließen sich dann die Mannen um Philipp Herder nicht mehr nehmen.

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„Manrique ist vielleicht der beste Turner, der je das Trikot der SKV trug, und wir halten zu allen unseren ausländischen Freunden Kontakt, um zu sehen wie es ihnen geht, vor allem auch in diesen schwierigen Zeiten“, berichtet SKV Präsident Reimund Spies. Und die Nachrichten, die er von Manrique Larduet Bicet aus dessen Heimat hörte, sind nicht gut.

Schon 2019 war ein extrem schwieriges Jahr für den Kubaner, der mit 24 Jahren im besten Turneralter ist. Er musste an beiden Händen operiert werden, auch eine Folge des langjährigen harten Trainings an Geräten, an denen kein Turner in Deutschland mehr trainieren dürfte. Auch das bei den Aufenthalten im Siegerland als unzertrennlich erschienene Gespann Turner-Trainer ging in die Brüche, weil Carlos Gil Hernandez beim Kubanischen Sportverband in Ungnade gefallen war. Trotzdem konnte sich Manrique Larduet Bicet bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart noch souverän als Einzelstarter für die Olympischen Turnwettbewerbe in Tokio qualifizieren, zumindest sportlich schien also die Welt für ihn noch in Ordnung zu sein.

Doch dann kam die Corona-Pandemie, die mit etwas Verspätung auch die lateinamerikanischen Länder und die Karibikinsel Kuba erreichte, dort aber gravierende Folgen hatte, von dem auch der Spitzensport nicht verschont blieb.

Am 27. März wurde die Trainingshalle von Manrique Larduet Bicet in der Hauptstadt Havanna geschlossen und bisher auch nicht wieder geöffnet. Die Turner und ihre Trainer wurden in ihre Heimatstädte geschickt, im Fall des SKV-Turners ist das Santiago de Cuba, 14 Stunden Busfahrt von Havanna entfernt. Die dortige Turnhalle ist auch geschlossen, sie wäre auch für ein Leistungstraining nicht geeignet, wie er seinen Siegerländer Freunden mitteilte. Auch wenn das Halle in Havanna wieder geöffnet würde, könnte er diese nicht so ohne weiteres erreichen, weil es verboten ist, innerhalb von Kuba von Provinz zu Provinz zu reisen – und die Grenzen zum Ausland sind ohnehin noch geschlossen.

Keine guten Aussichten also für einen der weltbesten Turner, der bei den auf das nächste Jahr verschobenen Olympischen Spielen den Höhepunkt seiner sportlichen Karriere anstrebte. Und kein Vergleich zu der übrigen Weltklasse, die bereits seit Monaten wieder im Training ist und aufgrund besserer finanzieller Ausstattung ihrer Sportverbände auch ganz andere Wege gehen kann. Die brasilianischen Spitzenturnern beispielsweise halten sich zusammen mit 200 Athleten aus allen Sportarten seit Wochen in Portugal auf und werden dort mindestens bis zum Jahresende bleiben, um sich unter besseren Bedingungen als in ihrer Heimat auf die Olympischen Wettbewerbe im nächsten Sommer vorbereiten zu können.

„Wir würden Manrique, den wir auch als Mensch besonders in unser Herz geschlossen haben, gerne helfen, wissen aber nicht wie. Solange die Reisebeschränkungen für ihn bestehen, ist es auch schwierig für ihn, nach Deutschland zu kommen, und damit das sinnvoll wäre, müsste er für Monate hierbleiben und nicht nur für einige Bundesligawettkämpfe. Wir haben ein hervorragendes Turnzentrum, aber keinen Internatsbetrieb wie die Bundesstützpunkte, das ist das Problem“, macht sich SKV-Präsident Reimund Spies Sorgen um Weltklasseturner Manrique Larduet Bicet aus Kuba.


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Manrique an den Ringen beim Heimwettkampf 2018 gegen TG Saar

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SKV Nachwuchsturner und Manrique, die diesen zusammen mit ihren Eltern im Sommer 2019 besuchten. Von links nach rechts: Fiete und Niels Krämer, MLB, Ruben Kupferoth, Mats Krämer, Pontus Kupferoth